_______________________ Iker Lecuona gewinnt zusammen mit Tetsuta Nagashima und Takumi Takahashi die 8 Stunden von Suzuka_________________________________________Bild:moto-foto

Langstreckenweltmeisterschaft in Suzuka/Japan

 

Zum 43. Mal fand in Suzuka das bedeutendste Motorradrennen in Japan statt. Dies ist schon seit vielen Jahren nicht der Grand Prix von Japan oder ein Rennen der Superbike-WM, es sind die 8 Stunden von Suzuka. Das Langstreckenrennen wurde im Rahmen der Endurance World Championship EWC – der Langstreckenweltmeisterschaft für Motorräder – auf dem 5,821 KM langen Suzuka Circuit im Südwesten der japanischen Insel ausgetragen. Traditionell bringen die vier japanischen Motorradhersteller nicht nur das Beste an Technik an den Start was im Rahmen des EWC-Reglement möglich ist, auch fahrerisch werden die Teams oftmals aus der MotoGP und der Superbikeszene verstärkt. So auch in diesem Jahr. Beim HRC Honda Werksteam unterstützte Iker Lecuona , ex-MotoGP Pilot und derzeit in der Superbike-WM unterwegs, die Fahrerkollegen Nagashima und Takahashi. Kawasaki brachte mit den Vorjahressiegern Johnny Rea und Ales Lowes ihr Duo aus der Superbike-WM an den Start, unterstützt von Leon Haslam der in der britischen Superbike Meisterschaft fährt. Das in der WM-führende SERT Yoshimura musste die Fahrerpaarung komplett umstellen. Die Stammpiloten Xavier Simeon ( Corona) und Sylvain Guintoli (Sturzverletzung) fielen aus, so setzte die Weltmeistertruppe auf den zunächst nicht nominierten (!) Gregg Black und den Japaner Watanabe. Der deutsche Vertreter in der EWC, BMW Motorrad World Endurance vertraute auf die Stammbesetzung Reiterberger, Mykhalchyk und Guarnoni ebenso wie das YART-Yamaha Team aus Österreich die wie in den übrigen Rennen der EWC auch mit Marvin Fritz, Niccolo Canepa und Karel Hanika fuhren.

Insgesamt gingen 45 Teams um 11:00 Uhr Ortszeit am Sonntagvormittag an den Start. Dabei kommt die Mehrzahl der Teams die in Suzuka zu den 8 Stunden antreten aus Japan . Nur wenige Permanentstarter aus der WM unternahmen die weite Reise in das Land der aufgehenden Sonne. Die Mehrzahl der Teams kommen in Suzuka aus der japanischen/asiatischen Superbike und Langstreckenszene. Das Rennen war keine 2 Runden alt als nach einem fatalen Crash das Safety-Car auf die Strecke musste. Mit den Startnummern 17 und 73 eliminierten sich 2 Hondateams die stark im Training waren und zum Zeitpunkt des Unfalls auf der 4. und 5. Position lagen. Nach dem ersten Tankstop hat sich das Feld dann sortiert. Honda mit der für Suzuka eigens installierten Werksmannschaft mit Nagashima / Takahashi / Lecuona führte vor der Kawasaki u.a. mit dem 6-fachen Superbike-Weltmeister Johnny Rea, die YART Yamaha die nach schlechtem Start bis auf Rang 3 vorfahren konnte und der Weltmeistermannschaft von SERT Suzuki. Auf Rang 5 folgte dann das Weltmeister-Team des Jahres 2017 - Team F.C.C. Honda - die ebenfalls nur mit 2 Piloten – Josh Hook und Mike Di Meglio –die 8 Stunden fahren musste. Im Training hatte der dritte Pilot, Gino Rea einen schlimmen Sturz der ihm schwere Verletzungen zufügte. Im Laufe des Rennens wurden keine weiteren Informationen über die Verletzungen des Fahrers veröffentlicht.

Auch nach der zweiten Rennstunde lagen die führenden Teams eng beieinander. Mit den Werksteams von HRC Honda, Kawasaki und SERT Suzuki lagen drei Teams rundengleich an der Spitze und nur durch wenige Sekunden voneinander getrennt. YART u. a. mit dem Deutschen Marvin Fritz lag zu diesem Zeitpunkt auf Rang 5, die BMW mit dem Werksbike auf Platz 7. In der Phase der 2. Boxenstopps fiel dann die erste Vorentscheidung um den Sieg. F.C.C. Honda musste die Bremsanlage für das Hinterrad wechseln, dies kostete dem Team eine Runde und bedeutete der Rückfall auf Rang 13. Drama dann Kurz vor Halbzeit des Rennens. Nach 3 Stunden 45 Minuten ging der Motor der BMW schlagartig aus. Illya Mykhalchyk musste die M1000RR an die Box schieben und verlor dadurch viel Zeit. Beinahe zeitgleich rutschte Multiweltmeister Johnny Rea in der Schikane mitsamt seiner Kawasaki von der Strecke, konnte aber die Maschine wieder zum Laufen bringen und verlor durch diesen Sturz nu r knapp eine Minute. Zur Halbzeit des Rennens waren nur noch 2 Teams in der gleichen Runde – die souverän führende Werkshonda sowie die Kawasaki des kurz zuvor gestürzten Johnny Rea. Eine Runde zurück lag die SERT Suzuki zusammen mit der YART Yamaha. Bereits 2 Runden hinter der führenden Honda dann eine weitere Honda des japanischen TOHO Teams. Die BMW lag zu diesem Zeitpunkt auf Grund des Motorproblems auf der Strecke auf Rang 28. Die von vielen gefürchtete Suzuka-Hitze zog dann in der zweiten Halbzeit des Rennens über die Strecke. In der Folge kam es zu mehreren Ausfällen auf , teilweise auf Grund von Motorproblemen, teilweise auch mangels Konzentration der Piloten. So waren zur Rennhalbzeit bereits 11 Teams noch in der Wertung die aber die 100 Runden noch nicht geschafft haben währende sich die führende Honda in Runde 134 befand. Aus dem Rennen genommen wurde in der Zwischenzeit die BMW, die zwar von Mykhalchyk an die Box zurückgebracht wurde, dort aber nicht mehr repariert werden konnte.

Durch permanent schnellere Rundenzeiten gegenüber der Konkurrenz konnte sich dann die führende Honda etwas deutlicher von den Verfolgern absetzen. Nach 6 Stunden hatten Nagashima ,Takahashi und Lecuona abhängig vom Rhythmus der Boxenstopps 1 - 2 Runden Vorsprung auf die Konkurrenz von Kawasaki von Rea und Lowes , SERT Suzuki von Black und Watanabe und der YART Yamaha. Niccolo Canepa war es dann der sich rundenlang ein packendes Duell um Platz 2 mit Johnny Rea lieferte der hinter der führenden Honda mit den schnellsten Rundenzeiten glänzen konnte. Beim vorletzten Boxenstopp gab es dann bei YART eine kleine Verzögerung als die Antriebskette nicht sauber auf dem Kettenblatt lag und neu fixiert werden musste, dadurch ging Platz 2 vorläufig an die Kawasaki während von hinten SERT Suzuki bis auf wenige Sekunden heranfahren konnte. Diese 4 Teams kamen für den Sieg noch in Frage als es um 18:00 Uhr Ortszeit in die letzte Rennstunde ging.

Ein heftiger Sturz von Marvin Fritz der bei hoher Geschwindigkeit zusammen mit einem weiteren Pilot mitsamt Maschine in die Streckenbegrenzung krachte machte alle Chancen von YART auf das Podest zu nichte. Nach über 6 Minuten Reparaturpause ging Karel Hanika auf Platz 7 wieder auf die Strecke. Unbeeindruckt von all dem drehte an Position 1 liegend die Werkshonda von HRC Honda ihre Runden wobei durch den Unfall von Marvin Fritz eine längere Safety Car Phase das Rennen neutralisierte. Als die Strecke 40 Minuten vor Rennende wieder freigegeben wurde waren die Positionen bezogen – HRC Honda lag souverän in Führung und gewann nach 214 Runden die prestigeträchtigen 8 Stunden von Suzuka, Platz 2 ging an das Kawasaki -Duo Rea/Lowes , den dritten Podestplatz sicherte sich Black / Watanabe mit der SERT Suzuki. Nagashima, Takahashi und Lecuona bestätigten mit ihrem Sieg wieder einmal ein uraltes Gesetz der Langstrecke – Sieger wird derjenige der die kürzeste Standzeit an der Box hat und nur zum Nachtanken, Reifen - und Fahrerwechsel die Mechaniker aufsucht.

 

Text Hartmut Reuschel                  Bild: moto-foto