Sieg für Honda bei den 12 Stunden von Estoril
Das 12 Stundenrennen von Estoril war der 2. Lauf zur diesjährigen Endurance Weltmeisterschaft in dem durch die Corona Pandemie völlig durcheinander gewirbelten Terminkalender. 30 Teams hatten sich eingeschrieben um auf dem 4,182 KM langen Circuito de Estoril um WM-Punkte, Pokale und Prämien zu kämpfen. Mit BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Ducati waren die weltgrößten Hersteller von Motorrädern mit reinen Werksmaschinen oder zumindest mit werksunterstützten Maschinen am Start.

Als am Samstagmorgen um 10:00 Uhr die erste
Rennstunde in Estoril beendet war und sich das Feld nach den ersten Tankstopps sortiert hatte war noch nichts von dem zu spüren dass die nächsten Stunden an Aufregung und Dramatik folgen sollte ehe es dann in der letzten Rennstunde bei untergehender Sonne zu einem Finale Furioso wurde. Es begann in Rennstunde 2 mit den Stürzen der beiden führenden Motorrädern, der BMW mit Reiterberger, Fores und Foray sowie der auf Platz 2 liegenden Suzuki mit Black, Simeon und Guintoli. Beiden Teams fielen um mehrere Runden zurück und begannen nach erfolgter Reparatur mit einer sehenswerten Aufholjagd. Die Führung ging inzwischen an das YART-Yamaha Team mit Canepa, Fritz und Hanika. Wie in der Langstrecke üblich wechselten sich die führenden Teams je nach Zeitpunkt und Dauer der geplanten Boxenstopps in der Führungsarbeit ab. So spulten neben der YART-Yamaha auch die SRC-Kawasaki mit Guarnoni, Nigon und Checa und das Team F.C.C. Honda mit den ehemaligen Weltmeistern Hook, Takahashi und Di Meglio Führungskilometer vor den - coronabedingt - leeren Zuschauerrängen ab.

YART-Yamaha verspielt Siegchancen durch Sturz
Während das BMW-Team Platz um Platz gutmachte und bereits wieder in den Top Five lag kam es in den Rennstunden 7 und 8 zu weiteren Stürzen die den Rennausgang entscheidend beeinflussten. Zunächst erwischte es die in Führung liegende YART-Yamaha als Niccolo Canepa stürzte und die Truppe um Teamchef Mandy Kainz wieder einmal - wie schon so oft - sämtliche Siegchancen begraben musste. Und wenig später erwischte es die Weltmeistertruppe von Suzuki zum zweiten Mal in diesem Rennen. Xaver Simeon touchierte das Hinterrad der Kawasaki von S. Suchet, Berchet und V. Suchet und riss damit beide Maschinen, die aussichtsreich auf den Rängen 4 und 5 lagen, aus den Punkterängen.

Hitchcock-Finale nach 11 Rennstunden
Als die Sonne unterging und die Scheinwerfer der 30 Motorräder lange Lichtkegel auf die Bahn warfen kam es zu einem bislang selten gesehenen Finale in der Endurance-WM.
Die SRC Kawaski lag in Front, wenige Sekunden zurück die Honda vom Team F.C.C. Auf der dritten Position hat sich die Yamaha vom Team VRD Igol Experiences aus Frankreich festgesetzt bei der der deutsche Florian Alt einer der Piloten war. Die BMW mit einem weiteren deutschen Fahrer, Markus Reiterberger, lag auf Platz 4. Alle anderen Maschinen lagen zu weit zurück um noch um den Sieg mitkämpfen zu können. Um den Boxenstopp möglichst weit hinauszuzögern entschied sich SRC Kawasaki seinen Piloten eine Runde länger als sonst fahren zu lassen – mit dem Ergebnis dass Erwan Nigon ohne Sprit liegen blieb! Das zurückschieben an die Box und der Fahrerwechsel kostete Kawasaki 3 Runden und damit den Sieg. F.C.C. Honda übernahm nun die Führung und gab diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Josh Hook, Yuki Takahashi und Mike Di Meglio holten sich den vielumjubelten Erfolg für Honda während um die verbliebenen Podestplätze erbittert gekämpft wurde. SRC Kawasaki, die Yamaha von VRD Igol Experiences und die BMW lagen nach über 11,5 Stunden Rennzeit nur wenige Sekunden voneinander getrennt auf den Plätzen 2,3 und 4, dann übertrieb es Florian Marino von VDR Igol, kam auf der Jagd nach der SRC Kawasaki ins Kiesbett und büßte wertvolle Sekunden ein. Somit rückte Markus Reiterberger mit der M1000RR aus München auf Rang 3 vor den er bis ins Ziel verteidigen konnte. Im Ziel betrug der Abstand von Reiterberger auf die zweitplazierte SRC Kawasaki ganze 0,976 Sekunden – nach 12 Stunden Rennzeit!

 

Text: Hartmut Reuschel            Bild:fimewc                 www.fimewc.com