2. Lauf zur Motorrad Langestreckenweltmeisterschaft in Le Mans

Das 24 Stundenrennen von Le Mans ist bei den Automobilsportfans als Klassiker weltweit bekannt. Das Rennen an der Sarthe gibt es schon seit 1923 und wurde seitdem 86-mal ausgefahren. Das Gegenstück dazu sind die 24 Stunden für Motorräder, ebenfalls an der Rennstrecke in Le  Mans ausgefahren, allerdings nicht auf der 13,2 KM langen Automobilstrecke sondern auf dem 4,185 Km langen sog. Bugatti Circuit, einem Teilstück der Autostrecke. Zum 42. Mal traten am Wochenende die Endurance-Spezialisten dort an um  den 2. Lauf Ihrer  WM auszufahren. Und wenn der Sieger erst 7 Minuten vor Schluss nach 838 Runden die Führung übernimmt und diese bis ins Ziel rettet kann man von einem der spannendsten 24 Stundenrennen sprechen das Le Mans je erlebt hat.     

Start am Samstagnachmittag 15:00 Uhr
Mit dem traditionellen Le Mans Start, bei dem die Piloten quer über die Start und Zielgerade zu ihren Maschinen sprinten müssen, gingen die 60 Piloten, die sich für die 24 Stunden qualifizieren konnten, ins Rennen. Den besten Startplatz ganz vorn in den Startaufstellung hatte nach der besten Trainingszeit das BMW Team ERC Motorrad mit den Piloten Kenny Foray, Julian da Costa und Mathieu Gines. Damit konnte BMW schon einen ersten Erfolg verbuchen da alle 41 bislang in Le Mans ausgetragenen Motorradlangstreckenrennen ausschließlich von japanischen Maschinen gewonnen wurden und noch kein europäischer Hersteller diese Phalanx durchbrechen konnte.

Turbulente Startphase
Das Rennen in Le Mans geht über die Marathondistanz von 24 Stunden, trotzdem ließen sich einige Piloten dazu hinreißen bereits am Anfang hohes Risiko zu gehen was dazu führte dass in der ersten Rennstunde mehrere Unfälle zu verzeichnen waren. Betroffen davon u.a. das Team VDR Igol – die drittschnellsten nach der Qualifikation. Damit büßte das Team bereits alle Siegchancen kurz nach dem Start ein.

Kawasaki in Führung
Das französische Kawasaki Team SRC machte seinem Namen als absolute Spezialisten für 24 Stundenrennen wieder einmal alle Ehre. Während die 8 Stundenrennen im Rahmen der Langstreckenweltmeisterschaft eher die Domäne anderer Teams sind spielte SRC sein ganzes Können und seine ganze Routine über die lange Distanz aus. Die Taktik gleichmäßig schnell, sturzfrei und ohne technischen Defekt auf der Strecke zu sein und mit kurzen Standzeiten an der Box keine wichtige Zeit zu verlieren wurde vom Team wieder einmal perfekt umgesetzt. Nach vier Stunden übernahm die Truppe mit den Piloten Guarnoni, Checa und Nigon die Führung und konnte diese  bis Mitternacht halten. 

Suzuki kontert  
Dann schlug die Stunde des SERT Team unter der Führung der Managerlegende Dominique Meliand der in Le Mans zum letzten Mal Regie in der Suzuki Box führte da er nach der Saison in den Ruhestand gehen wird. Drei Stunden konnte das Team mit den meisten WM-Langstreckentiteln die Führung behaupten, dann übernahm wieder die grüne SRC Kawasaki mit der Startnummer 11 die Führung. Während diese beiden Teams durch die Nacht hetzten war für die Polesetter, dem BMW Team ERC,  bereits Feierabend. Nach einem heftigen Sturz konnte Mathieu Gines die S 1000RR zwar wieder zurück an die Box schieben, dort wurde aber auf Grund der starken Beschädigungen das Motorrad aus dem Rennen genommen. Auch Mitfavorit YART – Yamaha musste nach Sturz von Marvin Fritz  und dem daraus resultierenden Folgeschaden aufgeben. Starker Ölverlust sorgte auch beim amtierenden Weltmeisterteam F.C.C. Honda für eine lange Reparaturpause am Sonntagmorgen so dass das Team aussichtslos zurückfiel.

Honda holt auf
Das britische Honda Team mit den Piloten Gimbert, Hernandez und de Puniet absolvierte bis auf einen kleineren Sturz von de Puniet und einer ungeplanten Reparaturpause in der Nacht konstant und ohne großen Runde um Runde und arbeitete sich am Sonntagmorgen hinter der Kawasaki und vor Suzuki auf Platz 2 vor. Nach 22 Stunden und 40 Minuten konnte die rot-weiße Maschine mit der Startnummer 111 sogar die Führungsposition übernehmen und als Randy de Puniet eine Reihe schneller Runden in den Asphalt brannte schien sogar ein Sieg für Honda möglich.

Krimi zum Schluss
40 Minuten vor Schluss führte Honda vor Kawasaki mit 18  Sekunden Vorsprung, eine Runde dahinter lag die Suzuki. Die beiden Schlussfahrer - Jonny Hernandez /Honda und Jeremy Guarnoni/Kawasaki -  machten nun den Sieg unter sich aus. Sekunde um Sekunde konnte die Kawasaki zur Honda aufzuschließen, letztendlich gelang es Guarnoni 3 Runden vor Schluss (!)  an der Honda vorbeizuziehen und unter großem Jubel in der Kawasaki-Box für einen weiteren Triumph der SRC – Mannschaft bei einem 24 Stundenrennen zu sorgen. Einen sehr guten 4. Platz gab es für die deutsche WEPOL-Mannschaft die ihre Yamaha mit Laverty/Morais und Webb nach einem Rennen ohne außerplanmäßige Vorkommnisse vor einer weiteren Kawasaki vom Schweizer Traditionsteam Bolliger ins Ziel brachte. 
 

Text: Hartmut Reuschel    Bilder: moto-foto