24 Stunden von Le Mans für Motorräder

Am vergangenen Wochenende war der Bugatti Circuit – die Kurzanbindung der legendären le Mans Rennstrecke – Schauplatz des 24 Stunden Rennens für Motorräder. Dabei kämpfen die Zweiradpiloten auf der 4,185 KM langen Strecke – also ohne die Mulsanne und Hinaudiers Geraden - die von den Kollegen auf vier Rädern im Juni befahren wird. Ansonsten unterscheiden sich beide Langstreckenklassiker in Strategie und Taktik herzlich wenig voneinander. Es gilt ausser den Routinestopps zum Tanken, Reifenwechsel und Fahrertausch möglichst wenig Zeit an den Boxen zu verbringen und dabei auf der Strecke mit der maximalen Pace anzugreifen. Serienweltmeister SERT Suzuki galt ebenso als Favorit wie die YART Yamaha Truppe aus Österreich und die F.C.C. Honda Mannschaft. Was SRC Kawasaki mit der neuen ZX10RR zu Stande bringen wird war ebenso unklar wie die Chancen der Ducati Panigale vom Team ERC Ducati aus Karlsruhe. Uns bei vielen Experten stand die BMW M1000RR vom BMW World Endurance Team ganz weit oben auf dem Zettel.

Startunfall sorgt für Pacecar in Rennstunde 1
Das der le Mans Start nicht die Kernkompetenz von YART ist wurde in Le Mans wieder einmal unter Beweis gestellt. Polesetter und Startfahrer Karel Hanika brachte die R1 nicht zum laufen, nahezu das ganze Fes donnerte nach klassischem Le Mans Start an der Yamaha vorbei als es bereits nach wenigen Metern zum ersten Crash kam. Die BMW vom Team Seigneur Motorsport Team Mont Blanc touchierte auf der Start und Zielgeraden mit der Yamaha von Team Moto Ain, beide Fahrer kamen zu Sturz wobei sich ex-Grand Prix Pilot Bradley Smith einen Lendenwirbel brach und ins Hospital musste. Nach der Pacecar-Phase nahm das Rennen dann Fahrt auf und hatte beim ersten Tankstopp bereits den nächsten Aufreger als Gregg Black mit der SERT Suzuki ein Runde zulange auf der Strecke blieb und die GSXR-1000 den letzten Kilometer zum ersten Tankstopp schieben musste.

F.C.C. Honda an der Spitze

Doch damit waren die Dramen bei Suzuki erledigt, die Piloten Black/ Simeon/Guintoly spulten in bekannt schneller Manier ihre Runden ab. Sekunde um Sekunde kam die rote Yoshimura Suzuki der führenden F.C.C. Honda mit Hook/Rea/ Di Meglio näher, ebenso kämpfte sich die YART Yamaha mit Fritz/Canepa/Hanika nach vorn wo neben der Honda auch die Werks BMW und SRC Kawasaki um die Führung kämpften. Die Gesetze der Langstrecke schlugen dann in Rennstunde 5 zum ersten Mal zu. Ein Stein hat den Kühler der BMW von Reiterberger/Mykhalchyk/Guarnoni leck geschlagen, ohne den Verlust des Kühlwassers zu bemerken mischte Guarnoni an der Spitze mit bis die M1000RR mit Motorschaden ausrollte. Auch bei den anderen Spitzenteams kamen ungeplante Boxenstopps dazu die immer wieder für eine Veränderung im Gesamtklassement führten ohne jedoch – mit Ausnahme der BMW – einen der Favoriten zu weit zurückfallen zu lassen.

Vorentscheidung in der Nacht

Um Mitternacht übernahm die SERT Suzuki die Führung, YART lag zu diesem Zeitpunkt in Schlagdistanz auf Rang 2, ebenso die SRC Kawasaki aud Rang 3 und F.C.C. Honda auf Platz 4. Das Bolliger Team aus der Schweiz lag auf einem ausgezeichneten 8. Platz während die Ducati von ERC durch den Tausch der Kupplung bis auf Rang 25 zurückfiel, allerdings mit schnellen Rundenzeiten wieder Boden gut machen konnte. In der Nacht schlug dann die Langstrecke auch bei Kawasaki zu. Ein Schaden im Ventiltrieb sorgte für eine lange Reparaturpause bei der der Motor aus dem Rahmen genommen, repariert und wieder eingesetzt wurde. Der Rückfall auf Platz 39 war die Folge, doch der Restart der Kawa mit den Piloten de Puniet/Masson/Marino wurde von den Fans an der Strecke gefeiert. Es ist dieser Willen der Teams, auch nach langen Reparatursopps das Rennen unbedingt beenden zu wollen, das die Endurance Szene bei den Fans so populär macht und den Fahrern – zumindest in Frankreich - Heldenstatus attestiert.

Suzuki festigt die Führung in den Morgenstunden

In den letzten 8 Stunden galt es für Ducati und Kawasaki möglichst viel von ihrem Rückstand wieder aufzuholen, für Suzuki dagegen hieß es den Vorsprung von 2 Runden gegenüber YART zu halten. Die Honda lag wegen mehrerer kleinerer Reaparaturen bereits 14 Runden zurück und sicherte ihrerseits den 3 Platz ab. Zu einem Großangriff von YART auf die führende Yoshimura Suzuki kam es dann nicht mehr, zu ähnlich waren die Rundenzeiten die die Piloten der beiden Teams in der Lage waren zu fahren. So blieb die Konzentration darauf gerichtet was Ducati und Kawasaki noch erreichen konnten und mit den Plätzen 17 und 21 im Gesamtklassement sowie den Endplatzierungen 7 und 8 bei den EWC–Bikes zeigte sich wieder einmal dass es sich durchaus lohnt auch bei längeren, nicht geplanten Boxenstopps das Rennen unbedingt in der Wertung zu beenden – was dem Geist der Endurance- Rennen mehr entspricht als alles andere.

 

Autor: Hartmut Reuschel Bilder: moto-foto www.fimewc.com

16.04.2022