Wenn eine Oldtimerveranstaltung für historische Rennmotorräder den Beinamen Historic Grand Prix im Titel führt kann das vom Veranstalter ein Kniff sein um mehr Zuschauer an die Strecke zu locken oder das Event hat sich den Titel auf Grund seiner Historie und seines aktuellen Programms verdient. Auf Schotten trifft eindeutig das Letztere zu. Tatsächlich wurde in Schotten 1953 der Grosse Preis von Deutschland für Motorräder in den Klassen 125 ccm und 250 ccm ausgetragen, wenn auch auf einer anderen Strecke als heute gefahren wurde. Über 16 KM lang war damals eine Runde die der Sieger des 250 ccm Rennens, NSU Pilot Werner Haas, und seine Konkurrenten zurücklegen mussten. Der Historic Grand Prix dagegen wird auf einem 1,4 KM langen Stadtkurs ausgetragen und feierte am Wochenende seine 36. Ausgabe. Der Veranstalter schaffte es ein Programm auf die Beine zu stellen das für die Fans von historischem Rennsport so gut wie keine Wünsche offen liess. Wertungsläufe zur Deutschen Historischen Motorrad Meisterschaft - DHM - standen ebenso auf dem Programm wie 2 Showrennen der IDM Sidecar Klasse mit aktuellen Renngespannen sowie Sonderläufe zum 50 - jährigen Jubiläum des Hercules Kleinkraftrades Ultra und dem damals ausgetragenen Hercules Ultra-Sachs-Cup mit 50 ccm 2-Takt Rennern. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit Präsentationsläufen der Antikklasse mit del ältesten Motorrad, einer Indian Springfield aus dem jahr 1917. Wie alle Organisatoren von Oldtimer Rennveranstaltungen hat auch der MSC Schotten als Ausrichter des Historic Grand Prix seine liebe Mühe und Not das nötige Budget für solch eine Veranstaltung zu generieren.
Dies ist auch der Grund warum immer weniger Motorsortclubs und Vereine es schaffen hochkarätige Fahrer, in der Regel ehemalige Grand Prix Piloten und Rennsieger, für Showrennen zu verpflichten. Die Startgelder sind einfach zu hoch. Die Antrittsprämie von Agostini, Spencer und Co. liegen mittlerweile ausserhalb dessen was über Sponsoren und Eintrittsgelder eingenommen werden kann. Dazu kommt je nach Strecke eine mehr oder weniger aufwendige Absicherung über Streckenposten sowie medizinisches und technisches Personal das, wenn auch oftmals im Ehrenamt, finanziert werden muss. Doch der MSC Schotten hat all diese Hürden gemeistert und brachte in diesem Jahr gleich 4 Weltmeister am Start, allesamt aus der IDM Sidecar Klasse, die zusammen 11 WM-Titel gesammelt haben. Allein 8 davon gehen auf das Konto von Tim Reeves, der in Schotten zusammen mit Ronja Billich mit einem ARS Honda F1 600 Gespann am Start war. Der Schweizer Marcus Schlosser hat bislang einen WM Titel bei den Gespannen eingefahren, er war in Schotten mit einem LCR Yamaha F1 600 Gespann und Beifahrer -(oder doch Schmiermaxe ?? ) Lucas Krieg dabei. Mit Benni Streuer aus den Niederlanden war sowohl ein Gespannweltmeister aus dem Jahr 2015 zusammen mit Manon Vissenberg am Start als auch ein Weltmeistersohn, hatte doch Vater Egbert Streuer den WM-Gespanntitel zusammen mit Bernard Schnieders in den Jahren 1984, 1985 und 1986 einfahren können. Marcel Fries, ein weiterer Seitenwagenweltmeister - er gewann als Beifahrer von Marcel Schlösser 2021 den Titel - saß in Schotten im Beiboot von Morrisen Class in einem LCR Yamaha F1 600 Gespann. 19 verschiedene DHM-Klassen, dazu die Show und Sonderläufe zu organisieren, abzuwickeln und die Zuschauer mit fachkundigen Informationen durch Streckensprecher Timo Neumann umfassend zu versorgen, das ist dem MSC Schotten, seinen Vereinsmitgliedern und einer grossen Anzahl von Helfern auch in diesem Jahr perfekt gelungen.
Text: Hartmut Reuschel
Bilder: moto-foto