24 Stunden von Le Mans – YART Yamaha gewinnt den Klassiker an der Sarthe
Für die Fans der Langstrecke ist Le Mans jedes Jahr ein absolutes Highlight. Während die Vierradfraktion im Juni den großen Kurs an der Sarthe über 24 Stunden in Angriff nimmt ist der kleinere Bugatti Circuit bereits im April Schauplatz für die Saisoneröffnung der EWC, der Langstrecken-WM für Motorräder. Bei der 49. Ausgabe des Rennens gingen die Teams am Samstag Nachmittag um 15:00 Uhr auf die 24 Stunden Distanz. Aufgeteilt waren die 60 gemeldeten Teams in 4 Kategorien. In der Topklasse der Langstrecken – WM waren 19 EWC – Bikes gemeldet, darunter mit dem BMW Motorrad World Endurance Team, YART, Yoshimura SERT, F.C.C. Honda, Tati AVA6 Racing und ERC Endurance alle Teams denen eine Favoritenrolle für Le Mans im Vorfeld zugeschrieben wurde. Die leistungsmäßig etwas schwächeren Bikes der Superstock Klasse SST waren mit 29 Maschinen vertreten wobei hier den Teams National Motos, Slider Endurance, Team 18 Pompiers und 3ART best of bike die Favoritenrolle zugesprochen wurde. In der Produktionsklasse PRO standen 10 Motorräder im Grid die nahezu serienmäßig auf die Reise einmal rund um die Uhr gingen und auf Grund der Leistungsunterschiede zu den EWC und SST Bikes nicht für den Gesamtsieg in Frage kommen sie fahren um den Klassensieg. Wie in Le Mans üblich war auch in diesem Jahr wieder ein Motorrad in der Experimentalklasse in der Kategorie EXP am Start. Dieses Jahr war dies, wie in den Jahren zuvor auch, die privat genannte Metiss. eine Maschine mit 1000 ccm Suzuki Vierzylindermotor der, im Gegensatz zur Konkurrenz, in einen nicht serienmäßigen sondern einem Experimentalrahmen ohne Gabel eingebaut ist.
Aus deutscher Sicht ist die EWC ( mittlerweile) sehr interessant, sind doch im Gegensatz zur MotoGP oder der Superbike-WM Teams - BMW Endurance, Motobox Kremer -, Motorräder - BMW - und Piloten - u.a. Markus Reiterberger. Marvin Fritz, Marcel Schrötter - aus Deutschland am Start die allesamt Chancen auf gute Platzierungen haben. So ist Marvin Fritz vom Team YART zusammen mit Teamkollege Karel Hanika amtierender Langstrecken Weltmeister während BMW-Pilot Markus Reiterberger im vergangenen Jahr den Titel nur hauchdünn verpasst hat.
Yamaha holt sich die Pole Position vor BMW und Honda
Bereits im Training ging es zwischen den Spitzenteams extrem knapp zu. So holte sich YART mit Fritz/Hanika/Leandro mit einem Vorsprung von lediglich 32/1000 Sekunden die Pole Position vor der Werks-BMW mit Reiterberger/Odendaal/Van der Mark/Guarnoni. Drittschnellste war das japanische Autorace Ube Racing Team mit Guintoli/Uramoto/Soomer die ebenfalls eine BMW einsetzen. Dahinter qualifizierte sich F.C.C. Honda mit Techer/Perolari/Mcphee/Torres- Fernandez. Publikumsliebling Randy de Puniet brachte zusammen mit Florian Marino, Alessandro Delbianco und Bo Bendsneyder die Yamaha vom Marc VDS Racing Team auf Platz 5 vor Rekordweltmeister Yoshimura SERT Suzuki die mit Black/Masson/Lintfood einen für sie etwas enttäuschenden 6. Platz belegten.
Dreikampf an der Spitze
Pünktlich um 15:00 Uhr am Samstag Nachmittag wurden die Piloten dann traditionell mit dem Le Mans-Start auf die Reise einmal rund um die Uhr geschickt. Nachdem sich eine Spitzengruppe mit den favorisierten Teams gebildet hatte sorgte die Werks BMW mit Startfahrer Markus Reiterberger nach der ersten Rennstunde für Aufregung im Feld. Während nacheinander die führende F.C.C. Honda vor der YART-Yamaha, der Yoshimura SERT Suzuki und der Honda vom Team Tati AVA6 zum Tanken, Reifen und Fahrerwechsel an die Box kamen drehte die BMW #37 noch eine Runde nach der anderen. Erst 4 Runden nachdem die Konkurrenz ihren Boxenstopp absolviert hatte kam die BMW zum Service und Michael van der Mark übernahm die M1000RR. Im weiteren Verlauf des Rennens wurde deutlich dass die BMW mit einer Tankfüllung erheblich länger auf der Strecke bleiben kann als der Rest des Feldes. Mit diesem taktischen Vorteil hatte BMW die Möglichkeit einen Boxenstopp im Lauf der 24 Stunden zu sparen was ca.1 Minute 30 Sekunden entspricht. Durch die längeren Stints der BMW, jedoch den besseren Rundenzeiten der YART Yamaha sowie der konstant schnellen Fahrt der Yoshimura SERT Suzuki kristallisierte sich dann ein Dreikampf zwischen diesen Teams heraus. Zudem mussten bereits die ersten Piloten ihre Hoffnung auf den
Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans begraben. Nach 4 Stunden hatte das Team ELF Marc VDS mit Delbianco im Sattel einen kapitalen Motorschaden bei dem die Yamaha R1 teilweise in Flammen aufging. 2 Stunden später fiel auch die F.C.C.Honda mit Corentin Perolari zurück. Der Italiener hatte eine heftigen Abflug nach der Kollision mit einem Motorrad aus der Superstock Klasse, musste an die Box wo die Reparatur der CBR1000-RR 17 Runden Rückstand und Rückfall auf Rang 42 einbrachte. Als die Nacht über Le Mans hereinbrach und die Temperaturen merklich nach unten fielen war um 23:00 Uhr das erste Renndrittel absolviert. Es führte van der Mark # 37 Team BMW World Endurance vor Etienne Masson #12 Yoshimura SERT und #1 YART mit Leandro Marcado. Der Vorsprung auf die folgenden Plätze betrug bereits 2 Runden. Auch während der Nachtstunden blieben die drei Führenden eng zusammen wenn auch der Dreikampf an der Spitze Stunden um Stunde zu einem Duell wurde – SERT Suzuki konnte die Pace von BMW und Yamaha nicht mitgehen. Auch die Zwischenwertung nach 16 Stunden ging an die #37 vor der #1 und der #12.
Defekt raubt BMW die Siegchance
Doch am frühen Sonntagmorgen gegen 7:00 Uhr war die Taktik von BMW mit einem Boxenstopp weniger durchzufahren Makulatur. Michael van der Mark musste an die Box wo hektisch gearbeitet wurde, kehrte auf die Strecke zurück um kurz danach zu stürzen um dann wiederum die Box ansteuern zu müssen. Insgesamt verlor die BMW dadurch 4 Runden und fiel auf Platz 3 zurück. An der Spitze fuhren Fritz/Hanika/Mercado sehr souverän und schnell die YART Yamaha und führten mit 6 Runden Vorsprung vor Black/Masson/Lintfood. Reiterberger/van der Mark /Odendaal lagen 3 weitere Runden zurück. Die Webike Kawasaki lag zu diesem Zeitpunkt, auch auf Grund von Elektronik Problemen, mit 11 Runden Rückstand auf Platz 4. Auf einen guten 5. Platz hat sich 4 Stunden vor Schluss die ERC Endurance Mannschaft aus Karlsruhe vorgefahren.
Marcel Schrötter/Kenny Foray/David Checa waren mit ihrer BMW M1000RR damit auf Weg zu einer Top Platzierung. Bitter für BMW – das endgültige Ende kam 90 Minuten vor Ende des Rennens. Steven Odendaal musste wieder an die Box und die BMW abstellen. Einige Boxen weiter oben wurde bei Kawasaki das Vorrücken auf Platz 3 aufmerksam registriert. Da sich in der Schlussphase der 24 Stunden keine Veränderungen mehr ergaben überquerte Marvin Fritz um 15:00 Uhr die Ziellinie als Sieger der 24 Stunden von Le Mans was er zusammen mit Karel Hanika und Leandro Mercado vom Team YART Yamaha geschafft hat. Zweite wurden Gregg Black, Etienne Masson und Dan Lintfood / Yoshimura SERT Suzuki vor den Dritten, Roman Ramos, Christophe Gamarino und Gregory Leblanc / Team Webike Kawasaki.
Hartmut Reuschel