Rennpause für Marquez auf unbestimmte Zeit_____________________Bild:moto-foto

Marc Marquez fährt vorerst sein letztes Rennen in 2022

Mit einem Paukenschlag begann das Rennwochenende in der Toskana. Der 8- fache Motorrad- Weltmeister Marc Marquez, der immer noch unter seinem verheerenden Jerez Sturz aus dem Jahr 2020 leidet begibt sich erneut unter das Messer um den beim Unfall schwer verletzten Arm ein weiteres mal operieren zu lassen. Der erfolgreichste Pilot in der MotoGP der letzten 10 Jahre ist mit den Ergebnissen der bisherigen Operationen und Reha Massnahmen noch immer nicht zufrieden und macht jetzt jedoch lieber eine längere Pause um danach, so die Hoffnungen von Marquez, wieder in seiner alten Verfassung zu sein die es ihm ermöglicht um Siege und Titel mitzukämpfen. Wie lange die GP-Pause sein wird ist derzeit noch nicht endgültig vorhersehbar.

Mugello wird zum Ducatiland

Vor deutlich weniger Zuschauern als in den Vorjahren gingen im Jahr 1 nach Rossi die Piloten am Samstag Nachmittag auf die noch teilweise feuchte Piste um im Qualifying die Startaufstellung auszufahren. Nach einem üblen Highsider von M.Marquez waren alle Fahrer gewarnt und gingen entsprechend vorsichtig und abwartend zu Werk. Doch trotz aller Vorsicht und wechselhafter Wetterbedingungen – Das Training wurde zu einem grossen Triumph für Ducati. Unter den schnellsten 6 Motorrädern waren letztendlich fünf Renner aus Bologna die in der Reihenfolge Di Giannantonio/Gresini, M.Bezzecchi/MooneyVR46, L.Marini/Mooney VR46, J.Zarco/Pramac und F.Bagnaia/Ducati-Lenovo die besten Startplätze für sich okkupierten. Als schnellster Nicht-Ducatifahrer stellte der Weltmeister Fabio Quartararo seine Yamaha M1 auf Startplatz sechs .
Ehrung für Valentino Rossi vor dem Start

Bevor die Piloten am Sonntag Mittag die 23 Runden auf dem 5,24 5Kilometer langen Autodromo Internationale di Mugello in Angriff nahmen gab es für MotoGP Legende Valentino Rossi eine große Ehrung auf der Start und Zielgeraden. Rossi erhielt „seine“ Startnummer 46 als Pokal und zudem die Zusage dass die legendäre 46 in Zukunft nicht mehr in der MotoGP vergeben wird. Die 46 ist damit ebenso auf immer gesperrt wie die 58 von Marco Simoncelli, die 34 von Kevin Schwantz sowie die 69 von Nicky Hayden.

Bagnaia gewinnt nach Aufholjagd

Die Geschichte des Rennens ist die Geschichte einer großen Aufholjagd von Ducati Werkspilot Francesco Bagnaia. Von Startplatz 5 aus ins Rennen gegangen beendete der Turiner die Erste Runde auf Platz 8, danach ging es Runde um Runde nach vorn bis die DucatiGP22 mit der Startnummer 63 in Runde 8 die Führung übernahm. Während Polesetter Di Giannantonio sukzessive nach hinten durchgereicht wurde und auf einem enttäuschenden 11. Platz endete erwischte es Teamkollege Bastianini als 3-fachen Saisonsieger noch schlimmer – Sturz in Runde 13 und Nullpunkte für den bisherigen Überraschungsmann der Saison. An der Spitze führte Bagnaia souverän, dahinter kam es zwischen den beiden Mooney VR46 Piloten Marini und Bezzecchi zu einem herzerfrischenden Zweikampf um das Podest bei dem auch Weltmeister Quartararo, dessen Landsmann Johann Zarco und Apriliapilot Aleix Espargaro nicht zurückstehen wollten. Nach 23 Runden auf dem traumhaft gelegenen Kurs inmitten der Toskana unweit von Florenz war es schließlich der französische Yamahafahrer der sich den 2. Platz sichern konnte. Der immer wieder für Erstaunen sorgende Aleix Espargaro holte sich seinen 4. Podestplatz in Folge ab, Zarco, Bezzecchi und Marini vervollständigten das sehr gute Ducati Ergebnis mit den Plätzen 4 bis 6. Schadensbegrenzung für KTM betrieb Brad Binder mit seiner Fahrt von Platz 16 auf 7. Im Tal der Tränen ist weiterhin Suzuki mit dem Ausfall beider Fahrer sowie Honda die als besten Fahrer Takaaki Nakagami lediglich auf Platz 8 sehen konnten.  

 

Text:

Hartmut Reuschel                                                               

 

 

 

3. Saisonsieg für Enea Bastianini vom Team Gresini Ducati____________Bild: Gresini

Shark Grand Prix von Frankreich

Nur vier Wochen nach dem 24 Stundenrennen für Motorräder auf dem Bugatti Circuit an der Sarthe sah die Strecke bereits das nächste Saison-Highlight – den Grossen Preis von Frankreich. Der Gesamtführende in der WM-Wertung, Weltmeister Fabio Quartararo und sein franzöischer Landsmann Johann Zarco sorgten dafür dass an den drei Renntagen weit über 200.000 Zuschauer an die Strecke kamen mit dem einen Ziel aus dem den Grand Prix eine große französische Motorsport-Party machen zu wollen. Doch das dies nicht ganz so einfach werden würde war vielen bereits im Vorfeld klar, zu ausgeglichen ist die erste Garde der MotoGP Piloten die leicht 10 Fahrer im Feld umfasst.
Schocknachricht von Suzuki

Doch bevor die Piloten an den Lenker griffen sorgte das Suzuki Grand Prix Team für eine Schocknachricht aus dem Fahrerlager als das Management erklärte dass sich der japanische Hersteller zum Saisonende aus der MotoGP verabschieden werde. Trotz laufenden Vertrages mit dem Ausrichter der WM bis 2025 sehen sich die Bosse und Verantwortlichen nicht in der Lage ihr Grand Prix Engagement über 2022 hinaus zu führen. Passend zu dieser Nachricht hatten beide Piloten der „ Blauen“ , Exweltmeister Joan Mir und sein Teamkollege Alex Rins ein rabenschwarzes Wochenende indem beide Piloten in aussichtsreicher Position im Rennen stürzten und aufgeben mussten.

Ducati in Training und Rennen stark

Die Werksrenner aus Bologna hatten das Training und Qualifying voll im Griff, die Pole - Position ging an Francesco Bagnaia , als zweitschnellster stellte sich Teamkollege Jack Miller ebenfalls in die erste Startreihe die von Aleix Espargaro mit der Aprilia komplettiert wurde. Vom Start weg übernahmen die Ducatis die Spitze allerdings mit Miller vor Bagnaia. Rins und Mir folgten, doch wie bereits beschrieben gab es für die beiden Suzuki Piloten keinen erfolgreichen Rennverlauf. Ab Runde 3 lagen dann mit Miller, Bagnaia und Bastianini drei Ducatis an der Spitze, Quartararo lag nur auf Position 6, einen Platz dahinter Marc Marquez mit der Repsol Honda. In Runde 21 fiel die Vorentscheidung – F. Bagnaia rutschte in letzten Kurve vor der Anfahrt zur langen Start und Zielgerade über das Voderrad und musste aufgeben, Bastianini übernahm die Führung und um Platz 3 entfachte ein harter Kampf zwischen der Aprilia RS-GP mit Aleix Espargaro und der Yamaha-M1 von Weltmeister Fabio Quartararo. Die fliederblaue Ducati vom Team Gresini mit dem Überraschungsmann der Saison, Enea Bastianini an der Spitze, konnte seinen 1,5 Sekunden Vorsprung vor Miller kontrollieren der widerum seinen zweiten Platz nach hinten absicherte. Der Kampf um Platz 3 sorgte noch einmal für Stimmung unter den Fans, doch A.Espargaro verteidigte mit allen (fairen ) Mitteln Platz 3, dahinter folgten dann Quartararo, Zarco und M. Marquez. Brad Binder vom KTM Werksteam hielt die Fahnen für die „ Orangenen „ aus Mattighofen hoch und holte Platz 8, seine 3 Markenkollegen Oiveira, Fernandez und Gardner mussten alle 3 nach Sturz aufgeben. Binder konnte damit zwar ein Desaster, wie es Suzuki erlebte, für KTM abwenden, doch Pit Beiter machte nach dem Rennen klar dass bei KTM für die nächsten Rennen in Mugello und Barcelona mehr erwartet wird und die Österreicher längst höhere Ansprüche als nur Top-Ten Platzierungen haben. Auch die Ansprüche vom glorreichen Honda Werksteam um Marc Marquez sind sicherlich höher als der erreichte 6. Platz vom 8- fachen Weltmeister, doch Honda hat die Probleme mit der Front der RCV213 noch immer nicht gelöst und es mehren sich die Stimmen die sich die Frage stellen ob die gant großen Zeiten von Marc Marquez nach den letzten beiden qualvollen Jahren vielleicht vorbei sind.

 

Text:

Hartmut Reuschel

 

 

Kampf über 25 Runden in Jerez - Bagnaia vor Quartararo _____________Bild: Ducati

Portimao – Tissot Grand Prix von Portugal

Die MotoGP-Fangemeinde ist hin und hergerissen. Die einen trauern den großen Zeiten nach in denen die Superstars Rossi und später Marquez die Szene beherrschten und Sieg um Sieg nach Hause fuhren, die anderen sind freuen sich über die große Ausgeglichenheit im Fahrerfeld und die Ungewissheit wer denn das Rennen nun gewinnen wird. Seriensieger sind auch dieses Jahr nicht auszumachen, die großen Zeiten von Valentino Rossi ( zurückgetreten ) und Marc Marquez ( dauerverletzt ) sind vorbei und die Auswahl an Siegeskandidaten ist groß. In der noch jungen Saison gab es bislang in 4 Rennen mit Bastianini (2), A.Espargaro Oliveira drei verschiedene Sieger wobei Gresinipilot Bastianini sicherlich die große positive Überraschung 2022 darstellt. Die im Vorfeld genannten Favoriten - Miller, Bagnaia, Quartararo, Mir, Marquez und Martin - sorgten bislang immer wieder vereinzelt für ein Highlight in Form von einem Podestplatz oder einer guten Top 5 Platzierung, von einer Dominanz ist aber jeder der genannten derzeit weit entfernt.

Weltmeister Quartararo holt Saisonsieg Nummer 1
Das Weltmeisterteam von Yamaha kam 2022 noch nicht richtig zum Zug. Topfahrer Quartararo bemängelte mehrmals die Konkurrenzfähigkeit seiner M1, Teamkollege Franco Morbidelli liegt vor dem Grand Prix an der Südspitze von Portugal mit 14 Punkten auf einem enttäuschenden 10-ten Platz. Doch auf der spektakulären 4592 Meter langen Berg und Talbahn zeigte die Kombination Yamaha M1 / Fabio Quartararo erstmals in dieser Saison was in ihr steckt. Dem starken Qualifying mit der Poleposition folgte ein guter Start, der Weltmeister lag hinter Joan Mir/ Suzuki und vor Jack Miller/Ducati auf Rang 2, Zarco, Alex Marquez und Miguel Oliveira dahinter in Lauerstellung. Nachdem sich das Feld sortiert hatte übernahm dann der Franzose in Runde 3 die Führung, dicht gefolgt von Exweltmeister Mir und dem Ducati-Duo Zarco und Miller.

Während sich Quartararo Runde um Runde vom Feld absetzen konnte entbrannte mit Zarco,Mir und Miller ein Dreikampf um das Podest den der Ducati Werkspilot nach eine Crash in Runde 18 ebenso verloren geben musste wie Joan Mir. Beide kollidierten am Ende der Start und Ziel- Geraden nach einem missglückten Ausbremsmanöver von Miller, blieben beide aber unverletzt.

So konnte Pramac Ducatipilot Zarco den französischen Doppelsieg perfekt machen. Aleix Erspargaro zeigte wieder einmal eine bärenstarke Vorstellung mit den Aprilia RS-GP und wurde Dritter. Starker Vierter wurde Alex Rins der von der letzten Startreihe aus ins Rennen ging, auch bei KTM konnte man mit Rang 5 durch Miguel Oliveira einigermaßen zufrieden sein. Weiterhin im Krisenmodus bedindet sich Honda, die Plätze 6 und 7 für die Marquez-Brüder liegen weit hinter den Zielen die der weltgrösste Motorradhersteller in der MotoGP verfolgt.

Jerez – Red Bull Grand Prix von Spanien

Beim zweiten Europa - Rennen zeigte sich die MotoGP in der noch jungen Saison von einer ganz anderen Seite wie bisher. War man es mittlerweil gewöhnt dass ein Führungspulk mit mehreren Piloten um den Sieg kämpft und keiner nur einen Millimter nachgibt verlief der Gran Premio Red Bull De Espana für MotoGP Verhältnisse sehr gesittet und beinahe schon unspektakulär. Vom Start weg zogen der Vizeweltmeister Francesco Bagnaia/Ducati und der Titelverteidiger Fabio Quartararo/Yamaha unwiderstehlich vom Feld weg und hatten schon nach wenigen Runden einen Vorsprung von über 3 Sekunden vor den Verfolgern. Diese waren in einer Dreiergruppe vereint mit Bagnaias Teamkollege Jack Miller, Multiweltmeister Marc Marquez/Honda und der erstaunliche Aleix Espargaro auf der ebenso erstaunlichen Aprilia GS-GP. Sehr schnell wurde deutlich dass diese fünf Piloten die drei Podestplätze unter sich ausfahren werden wobei die vermeintlichen Sieger – Bagnaia oder Quartararo – weiterhin davonzogen und zur Hälfte der 25 Runden Renndistanz bereits über 5 Sekunden Vorsprung hatten, etwas was in der MotoGP absoluten Seltenheitswert in den letzten Jahren hatte. Bis in Runde 20 war in Sachen Überholmanöver Fehlanzeige unter den Führenden, dann übernahm Marc Marquez Rang 3, konnte sich jedoch nicht allzu lange darüber freuen denn im Infight musste er nach einem Verbremser in der Zielkurve Espargaro und Miller vorbei lassen. Während die Aprilia sofort wegziehen konnten kämpften Miller und Marquez weiter um Rang 4 den der Honda Repsol Pilot letztendlich knapp vor der Ducati nach Hause fahren konnte.

Bagnaia dominiert an der Spitze

An der Spitze war nach 25 Runden ebenfalls alles klar – Bagnaia hielt mehr oder weniger konstant den Abstand zum Weltmeister auf 0,5 Sekunden und holte sich nach souveräner Fahrt seinen ersten Siegerpokal 2022. Für Wild Card-Pilot Stefan Bradl verlief der Einsatz in Jerez unglücklich. Gestartet von Position 20 kam der Hondatestfahrer gut vom Grid weg, hatte jedoch schon in Runde 1 einen harmlosen Ausrutscher. Danach fuhr er dem Feld hinterher bis in Runde 10 der nächste Umfaller passierte, damit war das Rennen gelaufen und Bradl musste aufgeben ebenso wie Johan Zarco nach Sturz in Runde 9 und Darryn Binder – Sturz in Runde 5. In der WM -Gesamtwertung liegt jetzt Titelverteidiger Quartararo in Front , gefolgt von A. Espargaro .

 

Text:

Hartmut Reuschel