Grand Prix von Thailand in Buriram
Aprilia war eine Klasse für sich beim Saisonauftakt Bild: moto-foto
Auf dem Chang International Circuit in Buriram, 300 KM nördlich von Bangkok, startete am Wochenende die Motorrad Weltmeisterschaft in ihre 77. Saison. Waren es im Gründungsjahr 1949 sechs Rennen die allesamt auf europäischen Rennstrecken von den Piloten gefahren wurden stehen in diesem Jahr 22 Rennwochenenden auf dem Programm die auf 5 Kontinente – Europa, Asien, Nordamerika, Südamerika und Australien – verteilen. Dabei treten in der Königsklasse, der MotoGP, die Piloten gleich zweimal pro Wochenende an. Am Samstagnachmittag wird ein verkürztes Sprintrennen mit einer Distanz zwischen 10 bis 12 Runden gefahren für das es bis zu Platz 10 die Hälfte der WM-Punkte eines Grand Prix gibt, am Rennsonntag folgt dann der Grand Prix mit einer Mindestdistanz von 100 KM was je nach Streckenlänge zwischen 22 und 29 Runden entspricht. Bevor im kommenden Jahr ein neues Reglement greift sind 2026 zum letzten Mal die Piloten mit 1000 ccm Vierzylindermaschinen am Start die mit einer Leistung weit über 300 PS bis zu 366 KMH ( Brad Binder, KTM, in Mugello ) schnell sind. 5 Werke – Aprilia, Ducati, Honda, KTM und Yamaha – nehmen mit jeweils 2 Werksfahrern an der WM teil, dazu kommen noch 6 privat finanzierte Teams die von den Werken mit gleichwertigem Material ausgestattet werden sodass insgesamt 22 Maschinen pro Rennen im Grid stehen werden.
Freitagstraining: Aprilia stark, Yamaha nicht konkurrenzfähig
Die Trainingsessions am Freitag gaben nach den Testfahrten eine Woche zuvor an gleicher Stelle zum ersten mal ein klares Bild über die tatsächliche Leistungsstärke der Piloten und Ihrer Motorräder. Und da zeigten sich die Aprilia und Ducatipiloten von Beginn an von ihrer starken Seite. Mit Marco Bezzecchi, Jorge Martin und Ai Ogura waren gleich Aprilias in den Top Ten. Ducati war mit Weltmeister Marc Marquez, seinem Bruder Alex sowie Fabio Di Giannantonio innerhalb der schnellsten 10. Pedro Acosta und Brad Binder brachten 2 der orangefarbenen KTM RC16 Renner in die Gruppe der Schnellsten, ebenso wie die Hondapiloten Joan Mir und Johan Zarco mit ihren RC213V. Einen schweren Stand hatten dagegen die 4 Yamahapiloten Quartararo, Miller, Rins und Neuling Razgatlioglu. Was sich bei den Tests bereits herauskristallisierte wurde am Freitag bestätigt – die neukonzipierte M1-V4 ist zu Saisonbeginn ( noch ) nicht konkurrenzfähig, die Plätze 16, 19, 20 und 21 sprechen für sich.
Qualifikation: Bezzecchi auf den Pole Position
Nachdem es Francesco Bagnaia nicht geschafft hat ins Q2 der schnellsten 12 Piloten zu fahren waren musste Marc Marquez für das Ducati Werksteam die Kohlen alleine aus dem Feuer holen. Mit Platz 2 war der Weltmeister dann auch hochzufrieden, gab er doch schon am Freitag zu Protokoll dass Marco Bezzecchi auf seiner Aprilia RS-GP derzeit der schnellste im Feld der 22 MotoGP-Piloten sei. Tatsächlich holte sich der in Rimini geborene Italiener die Pole Position, den dritten Platz in der ersten Startreihe sicherte sich mit Raul Fernandez eine weiterer Apriliapilot. Da auch Jorge Martin (5.) und Ai Ogura (8.) den Sprung in die Top Ten schafften standen in den ersten drei Startreihen 4 Aprilia RS-GP, 4 Ducati GP26 – M.Marquez (2.), Di Giannantonio (4.) Alex Marquez (7.) , F. Morbidelli (9.) - und mit Pedro Acosta eine KTM RC16 (6.).
Sprintrennen: Rennleitung pfeift M.Marquez zurück
Im Sprintrennen ging es nach Meinung aller nur um Platz 2 denn der Sieger schien mit Marco Bezzecchi schon vor dem 13 Rundensprint festzustehen. Doch es kam zum Leidwesen für den Apriliapiloten dann ganz anders. In Runde 3 wollte Bezzecchi in Führung liegend eine Lücke zu seinen Verfolgern aufmachen, ging zu viel Risiko und kam zu Sturz. Unverletzt aber niedergeschlagen wurde er von einem Motorroller zurück an die Box gebracht. Nachdem der bisherige Dominator des Wochenendes nicht mehr dabei entwickelte sich ein spannender Zweikampf zwischen Weltmeister Marquez und KTM-Pilot Pedro Acosta. Rundenlang klebte die orangefarbene RC16 am Heck der Werksducati, dann übernahm in Runde 7 der junge Acosta die Führung vor M. Marquez, Raul Fernandez, Jorge Martin und Alex Marquez. Wenige Kurven weiter konterte Marquez und stellte die alte Rangordnung wieder her. Während sich die beiden Spitzenreiter weiterhin hart aber fair duellierten und die Führung mehrere male wechselten vergrößerte sich ihr Abstand zum Rest des Feldes. Die Entscheidung fiel dann in der vorletzten Runde. Marquez, am zweiter Stelle liegend presste sich in einem harten Bremsmanöver in der letzten Kurve vor Start und Ziel an Acosta vorbei, es gab eine leichte Berührung zwischen den beiden Kontrahenten und Acosta musste, um einen Sturz zu vermeiden, einen weiten Bogen fahren. Damit war Marc Marquez über alle Berge. Doch die Rennleitung entschied nur 50 Sekunden danach dass Marquez die Führung wegen zu harter Fahrweise wieder an Acosta abgeben müsse. Dies machte der Weltmeister dann umgehend an gleicher Stelle, ließ Acosta wieder in der letzten Kurve vor Start und Ziel passieren und fügte sich damit dem Urteil der Rennleitung. Dritter wurde Raul Fernandez.
Grand Prix: Aprilia triumphiert auf dem Chang International Circuit
Das Rennen am Sonntag wurde zu einer Triumphfahrt für den kleinesten Hersteller der in der MotoGP am Start ist – Aprilia. Polesetter Marco Bezzecchi konnte sich zusammen mit Markenkollege Raul Fernandez vom Start weg frühzeitig vom Feld absetzen, zwischen Marc Marquez, Jorge Martin und Perdo Acosta wurde hart um Platz 3 gekämpft, dahinter sortierte sich der Rest des Feldes. Zur Mitte des Rennens in Runde 13 waren die Positionen bezogen und das Rennen verlief relativ unspektakulär mit wenig Überholmanövern. Auffällig nur das alle 4 Yamahas am Ende des feldes fuhren und lediglich Ducati Ersatzpilot Pirro hintersich lasen konnten der bei Gresini für den verletzten Stammfahrer Fermin Aldeguer einsprang. Als das Rennen in seine Endphase ging und man gespannt darauf wartete wer mit sein Reifenmaterial bei großer Hitze am besten gemanagt hat um eine Schlussattcke zu reiten dann der große Knall – Weltmeister Marc Marquez schied 6 Runden vor Schluss mit platten Hinterradreifen aus, sein Bruder Alex kam im schnellen vor Kurve 5 zu Sturz und Joan Mir, bis dato auf Paltz 6 gelegen, musste mit technischem Defekt an die Box. Bei soviel Unruhe im Feld wurde schnell deutlich dass die Piloten sich bemühten dle letzten 5 Runden mit nachlassenden Reifen ohne größere Probleme hinter sich zu bringen wobei Ai Ogura das Kunststück fertigbrachte hinter Sieger Marco Bezzecchi, dem Dritten, Raul Fernandez und dem Vierten, Jorge Martin, auch die vierte Aprilia im Feld unter die besten 5 im Grand Prix von Thailand zu fahren. Lediglich Pedro Acosta konnte die Aprilia-Phalanx durchbrechen und erreichte mit der KTM den zweiten Platz.
Hartmut Reuschel