GP von Brasilien in Goiania 

Aprila war beim Brasilien Grand Prix bärenstark - Doppelsieg durch Marco Bezzecchi und Jorge Martin                           Bild: moto-foto

21 Jahre mussten die brasilianischen Motorradfans warten um die MotoGP wieder live erleben zu können. 2004 - beim Sieg des Japaners Makoto Tamada auf Honda - waren die schnellsten Motorradfahrer der Welt vorerst zum letzten Mal in Brasilien Damals wurde auf dem Autodromo International Nelson Piquet, unweit der Metropole Rio de Janeiro, gefahren. Nachdem Argentinien, in den letzten Jahren Austragungsort der MotoGP, kein Rennen mehr erhalten hat kommt es nun zum Neustart der MotoGP in Südamerika auf der Rennstrecke in Goiania. Der Kurs, im Jahr 1974 gebaut, war in den Jahren 1987 bis 1989 schon einmal Gastgeber der Motorradweltmeisterschaft. Anschließend fiel die Strecke jedoch in einen Dornröschenschlaf und verwahrloste zusehend. 2013 wurde die komplette Anlage dann grundsaniert und nach Fertigstellung zum Gedenken an den am 1. Mai 1994 tödlich verunglückten brasilianischen dreifachen Formel 1 Weltmeister in Autodromo International Ayrton Senna umbenannt. Mit 3,83 KM ist die Strecke eine der kürzesten im Rennkalender, nur der Sachsenring mit 3,67 KM hat noch einmal 160 Meter weniger. Beide Strecken sind jedoch mit ihren 14 Kurven sehr kräftezehrend und stellen sehr hohe Ansprüche an die Kondition der Fahrer, gibt es doch keine langen Geraden auf denen sich die Piloten etwas erholen können.

Freitagstraining: Neuling Toprak Razgatlioglu überrascht die Konkurrenz

Bevor die 22 Piloten zu den Trainingsläufen ausrücken konnten waren dann aber zunächst eine große Anzahl von Helfer gefragt die die Strecke in einen fahrbaren Zustand bringen mussten. Starkregen in der Region um Goiania hatte die Anlage stark in Mitleidenschaft gezogen, ganze Streckenteile sowie das Fahrerlager waren am Dienstag vor dem Rennen mit Schlamm und Wasser überflutet und es wurde sogar über eine mögliche Absage des Grand Prix diskutiert. Unter großen Anstrengungen gelang es den Organisatoren jedoch die Strecke in einen WM-Lauf würdigen Zustand zu bringen. Trotzdem begann das erste Training mit Verspätung da in der Nacht auf Freitag erneut starke Regenfälle über der Strecke niedergingen und diese neuerlich gereinigt werden musste. Das erste Ausrufezeichen setzte dann Pedro Acosta der das größtenteils nasse 1.Training hauchdünn vor Jack Miller und Marco Bezzecchi für sich entscheiden konnte. Auch das 2.Training am Nachmittag war eine Kombination aus nassen und trockenen Wetterbedingungen bei denen Rookie Toprak Razgatlioglu zum ersten Mal glänzen konnte. Er beendete das Training auf Platz 3 und war damit bester Yamahafahrer. Vor ihm lagen nur noch Johann Zarco/Honda als schnellster und der zweitplatzierte Marc Marquez mit seiner Ducati GP26.

Qualifikation: KTM bricht ein

Mit den Stürzen von Bagnaia, M.Marquez, Acosta, Martin und Di Giannantonio erlebten die Zuschauer eine sehr hektische und unruhige Quali. An den Stürzen der beiden Werks-Ducatipiloten Bagnaia und Marquez ist zu erkennen wie sehr das Weltmeisterteam unter Druck steht und die Dominanz des letzten Jahres verloren hat. Mit Fabio Di Giannantonio hat es aber trotzdem eine GP26 auf die Pole Position geschafft wenngleich auch vom Privatteam Pertamina Enduro VR46 um Teameigner Valentino Rossi. Bezzecchi (2.), Martin (5.) und Ogura (6.) stellten 3 Aprilias in die ersten beiden Startreihen, dazu gesellte sich Weltmeister Marquez auf Platz 3 und Quartararo mit den besten Yamaha auf 4. Ein Desaster erlebte dagegen KTM. Die schnellste RC16 schaffte es mit dem WM-Leader Pedro Acosta nur auf Platz 9 während seine Markenkollegen Vinales, Binder und Bastianini geschlossen die letzten 3 Startplätze belegten!

Sprintrennen: M. Marquez gewinnt, Jorge Martin zurück auf dem Podest

LangeZeit sah es so aus als sollte Fabio Di Giannantonio sein erstes Sprintrennen gewinnen. Der Italiener lag mit seiner leuchtend gelb lackierten Ducati bereits mit einem Vorsprung mit 1,4 Sekunden in Führung und die Hälfte des 15 Runden Sprints war bereits absolviert. Doch in der zweiten Hälfte des Rennens war Weltmeister M.Marquez – wieder einmal – eine Klasse für sich. Zehntel um zehntel knabberte der Werkspilot aus dem Hause Ducati den Vorsprung seines Markenkollegen ab um 3 Runden vor Schluss am Ende der Start und Zielgeraden die Führung zu übernehmen. Di Giannantonio blieb nur noch die Verteidungung seines 2. Platzes was dem Römer letzlich auch gelang. Dahinter lief ein Aprilia Trio in der Reihenfolge Martin – Bezzecchi und Ogura auf den Plätzen 3 bis 5 vor der schnellsten Yamaha mit Fabio Quartararo auf Rang 6 ein. Für Jorge Martin, den Weltmeister von 2024, war es nach langer Verletzungsmisere der erste Podestplatz seit dem 3. Platz von Valencia im November 2024.

Grand Prix: Rennleitung sorgt für Verwirrung am Start

Das Rennen bot den weit über 100.000 Zuschauern an der Strecke zwei Überraschungen. Da war zunächst die Rennleitung die 6 Minuten (!) vor dem Start die Renndistanz von 31 auf 23 Runden kürzte. Da standen die MotoGP – Geschosse aber schon längst vollgetankt und mit Rennbereifung in der Startaufstellung und die Ingenieure hatten keine Zeit die Maschinen mehr auf die kürzere Renndistanz optimal abzustimmen. Und da war das Aprilia Werksteam mit Marco Bezzecchi und Jorge Martin die sich von all dem in keinster Weise verunsichern liessen und einen Doppelsieg auf ihren RS-GP einfuhren. Bezzecchi zeigte das schon sehr früh im Rennen indem er schon kurz nach dem Start die Führung an sich reißen konnte und sofort eine Lücke zu seinen Verfolgern aufmachte. Teamkollege Martin brauchte bis zur Runde 6 ehe er in einem Aufwasch an M.Marquez und Di Giannantonio vorbeiging und ebenfalls sofort einen kleinen Vorsprung herausfahren konnte.Wäre danach nicht der Kampf um Platz 3 zwischen M.Marquez und Di Giannantonio entbrannt – das Rennen wäre wohl als Langweiler in die Historie eingegangen. Doch die beiden Ducatipiloten kämpften Kurve um Kurve um den letzten Platz auf dem Podest den schließlich Privatfahrer Di Giannantoinio knapp vor dem Werkspiloten M. Marquez für sich entscheiden konnte. Platz 5 ging dann mit Ai Ogura vom Team Trackhouse wieder an eine Aprilia. Die schnellste KTM erreichte mit Pedro Acosta Platz 7, die beste Honda lief unter Johann Zarco auf Platz 9 ein. Von einem Top Ten Platz konnte Yamaha nur träumen. Die Plätze 14 ( Rins ), 16 ( Quartararo ) und 17 ( Razgatlioglu ) sprechen derzeit nicht für die Konkurrenzfähigkeit des ehemaligen Weltmeisterteams.

 

Hartmut Reuschel